Wanda

Icus-Rothe


aus Sensweiler

2025 jährt sich zum 150sten Mal der Geburtstag von Wanda Icus-Rothe


Wie so Vieles in unserer schnelllebigen Zeit geraten auch bedauerlicherweise die Werke von Autorinnen und Autoren nach und nach immer mehr in Vergessenheit. Ein besonderer Grund für die Ortsgemeinde Sensweiler das literarische Erbe einer außergewöhnlichen Schriftstellerin anlässlich ihres 150sten Geburtstags in Erinnerung zu rufen und gebührend zu ehren. Eine gezielte Auswahl ihrer Werke wird, in leicht überarbeiteter Fassung, einer interessierten Leserschaft neu zugänglich gemacht werden.


Wanda Wilhelmine Eugenie Franziska Charlotte Ottilie Emilie Ulrike erblickte am 21.11.1875 im Pfarrhaus als erstes Kind der Eheleute Friedrich Wilhelm Schonebohm und Emilie Schonebohm, geb. Maurer, das Licht dieser Welt. Friedrich Wilhelm Schonebohm (1842 – 1910) aus Lützellinden studierte Theologie in Tübingen, Gießen und Bonn, wo er auch seine aus dem Rheinland stammende Frau kennen lernte und wurde am 22.01.1873 in Sensweiler ordiniert. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1906 amtierte er als Pfarrer in Sensweiler mit Bruchweiler als Filiale.


Zu dieser Zeit lebten ca. 400 Bürger in dem kleinen Hunsrückdorf. Der überwiegende Teil der Einwohner war evangelisch, aber es lebten auch einige, wenn auch wenige, katholische Familien und eine Familie mit jüdischem Glauben im Ort. Der Großteil der Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft. Durch die Nähe zum Idarbach arbeiteten auch etliche als Schleifer. Vom Idarbach wurden aber auch damals Mühlen, Hammer- und Sägewerke angetrieben. Um 1850 trieb die Wasserkraft des Baches alleine 56 Wasserschleifen an.


Der Idarbach entspringt am Rand des heutigen Nationalparks Hunsrück-Hochwald. Seine Quelle liegt im Gemeindegebiet von Allenbach und er mündet in Oberstein in die Nahe. Auf seinem 21,5 km langen Weg zwischen Quelle und Mündung liegen etliche Höhenmeter. Durch dieses Gefälle war es möglich u.a. die Schleifen anzutreiben. Man staute oder zweigte immer wieder einen Teil des Wassers ab, um die großen Wasserräder in Bewegung zu setzen. Die erste Hälfte seines Wegs läuft er durch die Gemeindegebiete von Wirschweiler und Sensweiler. Viele ihrer Geschichten erzählen von den Menschen, die dort am Fluss ihrem Broterwerb nachgingen oder Landwirtschaft betrieben. Sie besaß eine ungemein scharfe Beobachtungsgabe für das Leben und Treiben in dieser ländlichen Umgebung, die mühsame Arbeit der Bauern und Achatschleifer, aber auch für die Freuden und Feste, die im Laufe des Kirchenjahres immer wieder gefeiert wurden. In ihren anschaulichen Geschichten kann man sich leicht in die damalige „gute alte“ Zeit zurückversetzen und bekommt ein lebendiges Bild vom dörflichen Leben in Sensweiler zur Kaiserzeit.


Sie besuchte mit den anderen Kindern die Dorfschule und erhielt zusätzlich von ihrem Vater Unterricht in Fremdsprachen und Germanistik. Sie heiratete sehr jung den Oberleutnant a.D. und Zollbeamten Robert Icus-Rothe. Robert war der Sohn des Försters aus dem benachbarten Langweiler. Förster Icus-Rothe wird im Jahrbuch der Preußischen Forst- und Jagdgesetzgebung und Verwaltung erwähnt, weil er in Anerkennung lobenswerter Dienstführung vom Minister für Landwirtschaft 1889 ein Ehren-Portepee verliehen bekam. In einer ihrer Geschichten reist sie mit ihrem Onkel, dem Oberförster aus Langweiler, zu dessen Sohn nach Birkenfeld, der dort das Gymnasium besucht. Es ist anzunehmen, dass Robert ein Cousin von Wanda war. Die Ehe zwischen einer Pfarrerstochter und dem Sohn eines Försters galt damals zudem als durchaus standesgemäß. Nach der Heirat zog das Paar zur Dienstelle von Robert an den Rhein nach Köln. Das Glück war aber nur von kurzer Dauer. Robert starb im Jahr 1900 nach sechs Ehejahren an Halskrebs. Aus der Ehe ging die gemeinsame Tochter Else Icus-Rothe hervor. Es begann eine schwere Zeit, voller Sorgen um die Tochter und die eigene Existenz. Sie zog wieder zu ihren Eltern, nahm eine Anstellung bei einer Bank an und siedelte nach der Pensionierung ihres Vaters mit den Eltern nach Berlin um.


Verwandtschaftliche Beziehungen der Familie in die Reichshauptstadt bestanden schon früher, denn Besuche der Berliner Tanten im Hunsrück und Aufenthalte der Mutter in der fernen Metropole werden von ihr in Geschichten erwähnt. Vermutlich war auch die als weltoffene und lebenslustig beschriebene Mutter Triebfeder für den Umzug in eine so ganz andere Welt. Nach dem Tod seiner Frau, zog, der eher die Ruhe liebende Vater, zu seinen Kindern nach Friedrichstal im Saarland, wo er auch seine letzte Ruhe fand. Wanda bezog eine Wohnung in Berlin-Wilmersdorf und lernte dort, den im gleichen Stadtteil lebenden Fritz Heinz Amelung kennen, den sie auch am 07.03.1914 dort heiratete. Heinz Amelung war Chefredakteur der Gartenlaube. Die Gartenlaube war ein illustriertes Familienblatt und ein Vorläufer heutiger Illustrierten. Die Zeitschrift war das erste große erfolgreiche deutsche Massenblatt. Früh erkannte Heinz die schriftstellerische Begabung seiner späteren Ehefrau und bestärkte sie, kleinere Beiträge zu veröffentlichen. Die erste uns vorliegende Veröffentlichung erschien 1913 mit dem Titel „Goethes Schwiegertochter Ottilie“ in „Die Welt der Frau“ Nr.22 Seite 341-343. In den Folgejahren schrieb sie für dieses Blatt auch unter ihrem Mädchennamen Schonebohm oder als Wanda Amelung.


Später wurde sie Mitarbeiterin der „Täglichen Rundschau“ in Berlin, die zwei Mal am Tag erschien. Dort veröffentlichte sie, gerade in den Wirren des ersten Weltkriegs, oft Geschichten mit Erinnerungen aus sorgenfreier und geborgener Kindheit im Hunsrück. Gerade, als auch die Versorgungslage in der Reichshauptstadt wegen des Krieges nicht mehr so wie gewohnt war, unterhält sie die Leser mit Geschichten aus der Lebenswelt der Landbevölkerung, die in den Zeiten ihrer Kindertage fast alles, was sie zum Leben benötigten, selbst anbauen und verarbeiten konnten. Oft spielen sie im Herbst, in dem die Natur reichhaltig Ernteseegen beschert. Besonders bemerkenswert ist, dass sie sich nicht scheute regelmäßig, den Berliner Lesern immer wieder Wörter oder kleine Passagen im dort unbekannten Hunsrücker Dialekt zu präsentieren. In vielen Beiträgen versäumt sie es nicht von den schönen aber auch rauen Höhen ihres geliebten Hochwaldes zu schwärmen. Viele dieser Geschichten veröffentlichte sie, leicht verändert oder miteinander verwoben, in ihrem Buch „Sonne der Heimat, meine Jugend auf den Höhen des Hunsrücks“ mit Federzeichnungen von K. Albrecht, erschienen im Bong Verlag Berlin. Als Erscheinungsjahr wird oft 1921 angegeben, es ist aber zu vermuten, dass es bereits 1920 eine frühere Auflage gab. (Aus diesem Buch ist auch die damalige Einwohnerzahl von Sensweiler entnommen).


Kaum jemanden ist bekannt, dass dies nicht das erste Buch von ihr war. Bereits 1915 veröffentlichte sie das Buch „Unsre Kriegshelden“, Verlag Westermann, Braunschweig. In diesem Buch sind Berichte über Heldentaten einfacher, ansonsten unbekannter Soldaten, meist niederer Ränge gesammelt, die sich ganz im Geist dieser Zeit für Kaiser, Vaterland, Kammeraden und die preußischen Ideale, aufopferungsvoll in Kampfeinsätzen des ersten Weltkriegs hervorgetan und bewährt haben. 1946 kam dieses Buch, gerade wegen der kriegsbegeisternden Inhalte, auf die „Liste der auszusondernden Literatur“ der Deutschen Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone.


Derartige Literatur ist später von ihr nicht mehr, soweit bekannt, verfasst worden. Nach dem verlorenen ersten Weltkrieg veröffentlicht sie in zahlreichen Periodikas, weiter Erinnerungen aus ihrer Kindheit, Landschaftbeschreibungen und Reiseberichte aus dem Hunsrück. Für die „Die Welt der Frau“ verfasst sie neben diesen, auch andere interessante, wissenswerte und amüsante Beiträge. So beschreibt sie mit dem Titel „Tiere und Menschen“ (Die Welt der Frau 1919 Nr.1 S.2 von W. Schonebohm) einen Sachverhalt, wie man ihn heute unverändert abdrucken könnte. Der komplette Text beschreibt kontroverse Ansichten über Kindererziehung und Tierhaltung, wie dieser kleine Auszug belegt.


Und wie es mit Bubi ist, so ist es auch mit dem Hündchen, dem Kätzchen, dem kleinen Piepmatz, die man allenthalben in den Häusern trifft. Der Kanarienvogel hüpft schilpend über den Frühstückstisch und auf der hellen Bluse der Hausfrau, auf der man deutlich die Spuren seiner Schritte sieht. „Er ist doch so niedlich! klingt es vorwurfsvoll, wenn man auch nur mit einer Wimper dagegen zuckt. Ich erinnere mich noch deutlich, wie wir uns als Kinder schaudernd abwandten von der schönen Frau eines Nachbarkollegen, die wir als Städterin immer bewundert hatten, als wir sahen, wie sie ihren Schoßhund küsste und ihn aus ihrem Teller fressen ließ.


Die letzte Veröffentlichung, die derzeit vorliegt, war im Jahr 1930 im Schaumburger Heimatkalender. Die letzen Lebensjahre waren durch leidvolle Erlebnisse getrübt. 1940 starb ihr zweiter Ehemann im Alter von 60 Jahren an einem Hirnschlag. 1943 begann der Luftkrieg gegen Berlin. Ihr schönes, vornehmes Haus wurde völlig zerstört. Um dem Bombenterror zu entgehen, zog sie bereits in diesem Jahr mit ihrer Tochter zu Verwandten nach Hildesheim. Am 10. August 1947 starb sie nach kurzer Krebserkrankung und wurde auf dem Zentralfriedhof in Hildesheim beigesetzt. Bis zu ihrem Tod blieb jedoch ihre Verbundenheit mit Sensweiler und den langjährigen Freundschaften mit Familien aus dem Dorf bestehen.


Die zweite Auflage des Buches besorgte der Männergesangverein Sensweiler im Jahr 1959. Das Buch kann ab sofort ausgeliehen werden. Interessierten können sich bei Axel Brunk melden.

(Tel. 06786 29 00 38)










Wanda Icus-Rothe


aus Sensweiler


2025 jährt sich zum 150sten Mal der Geburtstag von Wanda Icus-Rothe


Wie so Vieles in unserer schnelllebigen Zeit geraten auch bedauerlicherweise die Werke von Autorinnen und Autoren nach und nach immer mehr in Vergessenheit. Ein besonderer Grund für die Ortsgemeinde Sensweiler das literarische Erbe einer außergewöhnlichen Schriftstellerin anlässlich ihres 150sten Geburtstags in Erinnerung zu rufen und gebührend zu ehren. Eine gezielte Auswahl ihrer Werke wird, in leicht überarbeiteter Fassung, einer interessierten Leserschaft neu zugänglich gemacht werden.


Wanda Wilhelmine Eugenie Franziska Charlotte Ottilie Emilie Ulrike erblickte am 21.11.1875 im Pfarrhaus als erstes Kind der Eheleute Friedrich Wilhelm Schonebohm und Emilie Schonebohm, geb. Maurer, das Licht dieser Welt. Friedrich Wilhelm Schonebohm (1842 – 1910) aus Lützellinden studierte Theologie in Tübingen, Gießen und Bonn, wo er auch seine aus dem Rheinland stammende Frau kennen lernte und wurde am 22.01.1873 in Sensweiler ordiniert. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1906 amtierte er als Pfarrer in Sensweiler mit Bruchweiler als Filiale.


Zu dieser Zeit lebten ca. 400 Bürger in dem kleinen Hunsrückdorf. Der überwiegende Teil der Einwohner war evangelisch, aber es lebten auch einige, wenn auch wenige, katholische Familien und eine Familie mit jüdischem Glauben im Ort. Der Großteil der Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft. Durch die Nähe zum Idarbach arbeiteten auch etliche als Schleifer. Vom Idarbach wurden aber auch damals Mühlen, Hammer- und Sägewerke angetrieben. Um 1850 trieb die Wasserkraft des Baches alleine 56 Wasserschleifen an.


Der Idarbach entspringt am Rand des heutigen Nationalparks Hunsrück-Hochwald. Seine Quelle liegt im Gemeindegebiet von Allenbach und er mündet in Oberstein in die Nahe. Auf seinem 21,5 km langen Weg zwischen Quelle und Mündung liegen etliche Höhenmeter. Durch dieses Gefälle war es möglich u.a. die Schleifen anzutreiben. Man staute oder zweigte immer wieder einen Teil des Wassers ab, um die großen Wasserräder in Bewegung zu setzen. Die erste Hälfte seines Wegs läuft er durch die Gemeindegebiete von Wirschweiler und Sensweiler. Viele ihrer Geschichten erzählen von den Menschen, die dort am Fluss ihrem Broterwerb nachgingen oder Landwirtschaft betrieben. Sie besaß eine ungemein scharfe Beobachtungsgabe für das Leben und Treiben in dieser ländlichen Umgebung, die mühsame Arbeit der Bauern und Achatschleifer, aber auch für die Freuden und Feste, die im Laufe des Kirchenjahres immer wieder gefeiert wurden. In ihren anschaulichen Geschichten kann man sich leicht in die damalige „gute alte“ Zeit zurückversetzen und bekommt ein lebendiges Bild vom dörflichen Leben in Sensweiler zur Kaiserzeit.


Sie besuchte mit den anderen Kindern die Dorfschule und erhielt zusätzlich von ihrem Vater Unterricht in Fremdsprachen und Germanistik. Sie heiratete sehr jung den Oberleutnant a.D. und Zollbeamten Robert Icus-Rothe. Robert war der Sohn des Försters aus dem benachbarten Langweiler. Förster Icus-Rothe wird im Jahrbuch der Preußischen Forst- und Jagdgesetzgebung und Verwaltung erwähnt, weil er in Anerkennung lobenswerter Dienstführung vom Minister für Landwirtschaft 1889 ein Ehren-Portepee verliehen bekam. In einer ihrer Geschichten reist sie mit ihrem Onkel, dem Oberförster aus Langweiler, zu dessen Sohn nach Birkenfeld, der dort das Gymnasium besucht. Es ist anzunehmen, dass Robert ein Cousin von Wanda war. Die Ehe zwischen einer Pfarrerstochter und dem Sohn eines Försters galt damals zudem als durchaus standesgemäß. Nach der Heirat zog das Paar zur Dienstelle von Robert an den Rhein nach Köln. Das Glück war aber nur von kurzer Dauer. Robert starb im Jahr 1900 nach sechs Ehejahren an Halskrebs. Aus der Ehe ging die gemeinsame Tochter Else Icus-Rothe hervor. Es begann eine schwere Zeit, voller Sorgen um die Tochter und die eigene Existenz. Sie zog wieder zu ihren Eltern, nahm eine Anstellung bei einer Bank an und siedelte nach der Pensionierung ihres Vaters mit den Eltern nach Berlin um.


Verwandtschaftliche Beziehungen der Familie in die Reichshauptstadt bestanden schon früher, denn Besuche der Berliner Tanten im Hunsrück und Aufenthalte der Mutter in der fernen Metropole werden von ihr in Geschichten erwähnt. Vermutlich war auch die als weltoffene und lebenslustig beschriebene Mutter Triebfeder für den Umzug in eine so ganz andere Welt. Nach dem Tod seiner Frau, zog, der eher die Ruhe liebende Vater, zu seinen Kindern nach Friedrichstal im Saarland, wo er auch seine letzte Ruhe fand. Wanda bezog eine Wohnung in Berlin-Wilmersdorf und lernte dort, den im gleichen Stadtteil lebenden Fritz Heinz Amelung kennen, den sie auch am 07.03.1914 dort heiratete. Heinz Amelung war Chefredakteur der Gartenlaube. Die Gartenlaube war ein illustriertes Familienblatt und ein Vorläufer heutiger Illustrierten. Die Zeitschrift war das erste große erfolgreiche deutsche Massenblatt. Früh erkannte Heinz die schriftstellerische Begabung seiner späteren Ehefrau und bestärkte sie, kleinere Beiträge zu veröffentlichen. Die erste uns vorliegende Veröffentlichung erschien 1913 mit dem Titel „Goethes Schwiegertochter Ottilie“ in „Die Welt der Frau“ Nr.22 Seite 341-343. In den Folgejahren schrieb sie für dieses Blatt auch unter ihrem Mädchennamen Schonebohm oder als Wanda Amelung.


Später wurde sie Mitarbeiterin der „Täglichen Rundschau“ in Berlin, die zwei Mal am Tag erschien. Dort veröffentlichte sie, gerade in den Wirren des ersten Weltkriegs, oft Geschichten mit Erinnerungen aus sorgenfreier und geborgener Kindheit im Hunsrück. Gerade, als auch die Versorgungslage in der Reichshauptstadt wegen des Krieges nicht mehr so wie gewohnt war, unterhält sie die Leser mit Geschichten aus der Lebenswelt der Landbevölkerung, die in den Zeiten ihrer Kindertage fast alles, was sie zum Leben benötigten, selbst anbauen und verarbeiten konnten. Oft spielen sie im Herbst, in dem die Natur reichhaltig Ernteseegen beschert. Besonders bemerkenswert ist, dass sie sich nicht scheute regelmäßig, den Berliner Lesern immer wieder Wörter oder kleine Passagen im dort unbekannten Hunsrücker Dialekt zu präsentieren. In vielen Beiträgen versäumt sie es nicht von den schönen aber auch rauen Höhen ihres geliebten Hochwaldes zu schwärmen. Viele dieser Geschichten veröffentlichte sie, leicht verändert oder miteinander verwoben, in ihrem Buch „Sonne der Heimat, meine Jugend auf den Höhen des Hunsrücks“ mit Federzeichnungen von K. Albrecht, erschienen im Bong Verlag Berlin. Als Erscheinungsjahr wird oft 1921 angegeben, es ist aber zu vermuten, dass es bereits 1920 eine frühere Auflage gab. (Aus diesem Buch ist auch die damalige Einwohnerzahl von Sensweiler entnommen).


Kaum jemanden ist bekannt, dass dies nicht das erste Buch von ihr war. Bereits 1915 veröffentlichte sie das Buch „Unsre Kriegshelden“, Verlag Westermann, Braunschweig. In diesem Buch sind Berichte über Heldentaten einfacher, ansonsten unbekannter Soldaten, meist niederer Ränge gesammelt, die sich ganz im Geist dieser Zeit für Kaiser, Vaterland, Kammeraden und die preußischen Ideale, aufopferungsvoll in Kampfeinsätzen des ersten Weltkriegs hervorgetan und bewährt haben. 1946 kam dieses Buch, gerade wegen der kriegsbegeisternden Inhalte, auf die „Liste der auszusondernden Literatur“ der Deutschen Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone.


Derartige Literatur ist später von ihr nicht mehr, soweit bekannt, verfasst worden. Nach dem verlorenen ersten Weltkrieg veröffentlicht sie in zahlreichen Periodikas, weiter Erinnerungen aus ihrer Kindheit, Landschaftbeschreibungen und Reiseberichte aus dem Hunsrück. Für die „Die Welt der Frau“ verfasst sie neben diesen, auch andere interessante, wissenswerte und amüsante Beiträge. So beschreibt sie mit dem Titel „Tiere und Menschen“ (Die Welt der Frau 1919 Nr.1 S.2 von W. Schonebohm) einen Sachverhalt, wie man ihn heute unverändert abdrucken könnte. Der komplette Text beschreibt kontroverse Ansichten über Kindererziehung und Tierhaltung, wie dieser kleine Auszug belegt.


Und wie es mit Bubi ist, so ist es auch mit dem Hündchen, dem Kätzchen, dem kleinen Piepmatz, die man allenthalben in den Häusern trifft. Der Kanarienvogel hüpft schilpend über den Frühstückstisch und auf der hellen Bluse der Hausfrau, auf der man deutlich die Spuren seiner Schritte sieht. „Er ist doch so niedlich! klingt es vorwurfsvoll, wenn man auch nur mit einer Wimper dagegen zuckt. Ich erinnere mich noch deutlich, wie wir uns als Kinder schaudernd abwandten von der schönen Frau eines Nachbarkollegen, die wir als Städterin immer bewundert hatten, als wir sahen, wie sie ihren Schoßhund küsste und ihn aus ihrem Teller fressen ließ.


Die letzte Veröffentlichung, die derzeit vorliegt, war im Jahr 1930 im Schaumburger Heimatkalender. Die letzen Lebensjahre waren durch leidvolle Erlebnisse getrübt. 1940 starb ihr zweiter Ehemann im Alter von 60 Jahren an einem Hirnschlag. 1943 begann der Luftkrieg gegen Berlin. Ihr schönes, vornehmes Haus wurde völlig zerstört. Um dem Bombenterror zu entgehen, zog sie bereits in diesem Jahr mit ihrer Tochter zu Verwandten nach Hildesheim. Am 10. August 1947 starb sie nach kurzer Krebserkrankung und wurde auf dem Zentralfriedhof in Hildesheim beigesetzt. Bis zu ihrem Tod blieb jedoch ihre Verbundenheit mit Sensweiler und den langjährigen Freundschaften mit Familien aus dem Dorf bestehen.


Die zweite Auflage des Buches besorgte der Männergesangverein Sensweiler im Jahr 1959. Das Buch kann ab sofort ausgeliehen werden. Interessierten können sich bei Axel Brunk melden.

(Tel. 06786 29 00 38)


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